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Les Primitifs (ehem. Coleümes)

Les Primitifs

Der Soundtrack menschlicher Begierde und Leidenschaft:
Bitteschön, les primitifs.

Laurent Leroi, Akkordeon
Matthias Dörsam, Klarinette
Erwin Ditzner, kleine Trommel
Michael Herzer, Kontrabass

Hier spielt die Musik: Die alte-neue Formation um Haudegen Laurent Leroi und Erwin Ditzner kultiviert das Ursprüngliche so ursprünglich, dass man durchaus geneigt ist, sich dazu ein Glas Absinth zu bestellen – oder Scotch? Oder Schampus? Wo sind wir denn hier überhaupt? Paris? Das alte Europa? Südamerika? Manhattan? Überschwängliche Freude und die Lust an bitter-süßer Melancholie, Wildheit und Zärtlichkeit. Les primitifs erzählen instrumental und von den menschlichen Begierden und Leidenschaften. Der Mensch, so sagt man manchmal, das ist Essen und Fortpflanzung. „...und Musik“, sagen les primitifs!

Es gibt in der Tat nicht viele Ensembles, die man ruhigen Gewissens in so ziemlich jedes Ambiente zum Konzert bitten könnte. Aber les primitifs gehören zweifellos dazu. Denn man kann sicher sein: Diese famosen Musiker würden in der Altstadt von Montevideo ebenso bestehen wie im Hafenviertel von Marseille, in New Orleans genau so wie in Prag. Denn: les primitifs sind eine wenigen Kapellen, die Ihr Publikum schon auf Rock-, Folk-  u n d  Jazzfestivals begeistert haben – die Essenz, die Basis eben. Und warum ist das so? Weil ihre Spielfreude genauso ist wie ihr Name, ihre Musikalität und Gewitztheit aber genau das Gegenteil davon.

 


CD - Erscheinungen "Les Coleümes"
Titel Label No. Recorded at
Brut Red Lola LC 5244 Laukas Tonstudio 1997
Amigos Red Lola LC 5244 Laukas Tonstudio 1998
Vision Red Lola LC 5244 Laukas Tonstudio 1999
De los Dolores del Amor Marimba LC 08088 Laukas Tonstudio 2002
Vision 2 ClickRecords LC 08361 Laukas Tonstudio 2007

Ein berauschender Abend

(bro) (hn) Die Mitglieder des Vereins Kunstpflege Hirschhorn hatten sich zum kürzlich stattgefundenen Konzert mit „Les Primitifs“ etwas Besonderes einfallen lassen. Sie brachten mit einem Bühnenbild einer Garagenrückwand mit Mülleimer, Gartenstühlen, bunten Lampions und einem abgestelltem Fahrrad eine beschauliche Hinterhofstimmung in die etwas sterile Mark-Twain-Stube. Das erfreute nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker, und die überzeugten die etwa 90 Zuhörer mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Jazz, Rock und Folk.
Die vier Musiker, Laurent Leroi am Akkordeon, Matthias Dörsam an Klarinette, Saxophon und Querflöte, Erwin Ditzner an der kleinen Trommel und Michael Herzer am Kontrabass, spielten neben Altbekanntem auch Stücke ihrer neuen CD "Histoire d'un Amour", die am 21. September veröffentlicht wurde. "Les Primitifs" rissen innerhalb weniger Minuten das Publikum mit. Die mit Wortwitz angekündigten Stücke und ihre schnellen Melodien führten zu vielen wippenden Füßen. Bekannte Werke wurden von der Band ganz neu und auf ihre sehr eigene Art interpretiert und verbanden so Bekanntes mit dem Reiz des Neuen. Der Charme der Musik und der Musiker, die Originalität und ihre enorme Lust am Spielen bewirkten, dass es einen großen Spaß machte, ihnen zuzuhören. Sie scherzten mit dem Publikum und boten kleine Showeinlagen. Erwin Ditzner legte während eines Solos unerwartet einen Fuß auf die Trommel, um so deren Klang zu verändern, und auch die danebenstehende Wasserflasche und die Leinwand des Bühnenbildes wurden zum Percussion-Instrument, was zum spontanen Zwischenapplaus führte. Auf Saxophon, Klarinette und Querflöte zauberte Matthias Dörsam Melodien, die mal klagend, mal leichtfüßig daherkamen. Laurent Lerois Finger glitten mit unglaublicher Virtuosität über die Tasten seines Akkordeons, und Michael Herzer zupfte und strich auffällig gekonnt und gefühlvoll den Bass. Was dieses eingespielte Team seinem Publikum an mitreißenden Soli bot, war Klangakrobatik zum Abheben. Sie animierten sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Nach jedem Titel zeigte großer Beifall, wie begeistert die Zuhörer von dieser Musik waren. „Primitif“ heißt auf Französisch übrigens so viel wie unverfälscht oder ursprünglich, und genau so zeigten sich auch die vier Musiker: sympathisch, authentisch und sie genießen die Nähe zu ihren Zuhörern
Der Abend begeisterte jedoch nicht nur das Publikum, auch "Les Primitifs" waren sehr zufrieden, und so ließen sie nach zwei Zugaben das Publikum völlig berauscht zurück.

Ladenburg: Gelungenes Gastspiel im Kaiserkeller
"Les Primitifs" überzeugen durch ihre Ursprünglichkeit

Von unserer Mitarbeiterin Nina Möller

Mitreißende Soli, swingende Stücke und begeisterte Zuhörer. Die Musiker von "Les Primitifs" überzeugten am Sonntag im Ladenburger Kaiserkeller ihr Publikum. Etwa 130 Zuhörer wurden mitgerissen von der ganz eigenen Mischung aus Jazz, Rock und Folk, die "Les Primitifs" verkörpert.
Die vier Musiker Laurent Leroi am Akkordeon, Matthias Dörsam an der Klarinette, Erwin Ditzner an der kleinen Trommel und Michael Herzer am Kontrabass spielten im Kaiserkeller neben Altbekanntem auch Stücke ihrer neuen CD "Histoire d'un Amour", die am 21. September veröffentlicht wurde.
"Ich hoffe, es wird so schön wie das letze Mal, als wir hier in Ladenburg gespielt haben. Da haben wir das Haus gerockt, und das wollen wir heute wieder tun", meinte Laurent Leroi vor dem Konzert. Das erreichten die vier Musiker von "Les Primitifs" innerhalb weniger Minuten. Ihre mit Wortwitz angekündigten Stücke rissen das Publikum mit, ihre schnellen Melodien führten zu vielen wippenden Füßen und Köpfen.
Bekannte Werke interpretierten "Les Primitifs" ganz neu und eigen und verbanden so Altbekanntes mit dem Reiz des Neuen. Klänge schwollen während der Stücke langsam an, wurden lauter und raumfüllender, um schließlich in schnellen, gemeinsamen Passagen zu enden. Nach jedem Titel zeigte großer Applaus, wie begeistert die Zuhörer von dieser Musik sind.
"Der Charme der Musik und der Musiker ist toll. Wir waren schon einmal auf einem Konzert von "Les Primitifs" und waren so begeistert, dass wir heute hierher wollten. Die lockere Art der Musiker ist toll, es macht viel Spaß ihnen zuzuhören", meinte etwa Christiane Petersen aus Ladenburg. Auch neue Fans konnten "Les Primitifs" im Kaiserkeller gewinnen.
"Ich bin überrascht, wie gut es ist. Diese Originalität der Musiker und ihre Lust am spielen: Es könnte mir nicht besser gefallen", lobte Monika Fenzau, ebenfalls aus Ladenburg. Die Gruppe gibt es seit etwa einem Jahr, wobei sie schon früher unter anderem Namen zusammen spielten. Primitif heißt auf Französisch so viel wie unverfälscht oder ursprünglich, und genau so zeigten sich auch die vier Musiker: sympathisch authentisch.
Sie scherzten mit dem Publikum und boten während der Stücke Showeinlagen, etwa durch gemeinsames Aufstehen bei ansteigenden Tonleitern oder als Erwin Ditzner während eines Solos plötzlich einen Fuß auf die Trommel legte und so deren Klang veränderte. Der Abend begeisterte jedoch nicht nur das Publikum, auch "Les Primitifs" waren glücklich, wie Laurent Leroi betonte: "Es sind heute gute Reaktionen im Publikum. Wir sind heute Abend sehr zufrieden."

Mannheimer Morgen 08. November 2011

Klangakrobatik zum Abheben

LINDENHOF: "Les Coleümes" im Gasthaus am Fluss
"Geh bloß nicht zu den Coleümes", soll die Mutter von Laurent Leroi früher zu ihrem halb wüchsigen Sprössling gesagt haben. Coleümes heißt in Elsässer Mundart so viel wie Zigeuner oder Tagträumer. Die sprichwörtliche Musikalität des fahrenden Volkes lag auch dem Straßburger im Blut und so ist es nicht verwunderlich, dass die Band, in der er Jahre später spielte, ebenfalls diesen Namen trägt. So wie sich die "Coleümes" nirgendwo ansiedeln, lässt sich auch die Musik des gleichnamigen Quartetts nicht in eine Schublade stecken. Am Sonntag zeigten sie im ausverkauften Gasthaus am Fluss ihr volles Repertoire. Walzer, Tango, Musette oder Jazz - die ungewöhnliche Combo akzeptiert keine Beschränkung. Mit Esprit und musikalischer Tiefe nahmen sie ihr Publikum mit auf eine Reise, die von Frankreich durch ganz Europa bis in die USA und nach Südamerika führte. Dabei meistern sie Klassiker wie Edith Piafs "Sous le ciel de Paris" mit ebenso viel Originalität wie eine Pfälzer Swing Variation von "Summertime", "Blumen" oder Brasilianischen Melodien über "kleine Kakerlaken".
Der leidenschaftliche Akkordeonist Leroi kam vor mehr als zwanzig Jahren nach Mannheim, wo er auf Uli Krug und Erwin Ditzner traf. Mit Bass und Sousafon sorgt Krug für die unnachahmliche Tiefe, während Ausnahmeschlagzeuger Ditzner den Rhythmus vorgibt. Die Saxofone, Flöten und Klarinetten von Matthias Dörsam zaubern Melodien, die mal klagend, mal leichtfüßig daherkommen und sind längst nicht mehr aus der Band wegzudenken.
Was das eingespielte Team seinem Publikum kredenzt, grenzt an Klangakrobatik. Die Vier animieren sich gegenseitig zu Höchstleistungen. Atemberaubende Soli wechseln sich ab mit swingenden Ohrwürmern oder mitreißender Tanzmusik und lassen die Zuhörer völlig berauscht zurück. Ungewöhnlich sind nicht nur die Stücke, sondern oft auch die Art, in der sie interpretiert werden. Da werden der Trommel mit Hilfe des Fußes nie gekannte Töne entlockt, Lerois Finger gleiten mit unglaublicher Leichtigkeit über die Tasten seines Akkordeons oder eine Wasserflasche fungiert als Perkussion-Instrument. Kein Wunder, dass auch die Mannheimer Sopranistin Rica Westenberger einem Gastauftritt mit den Coleümes nicht widerstehen konnte. Neben zwei anderen Stücken sang sie "Ganz Paris träumt von der Liebe".
Die Band genießt die Nähe zu ihren Fans und erreicht sie spätestens, wenn sie als "Walking Act" mit allen tragbaren Instrumenten mitten im Publikum weiterspielt. Die Musiker baden im Beifall und dürfen erst nach zwei Zugaben den Saal verlassen. yh
© Mannheimer Morgen - 19.03.2004