Matthias Dörsam - Komponist - Saxophone - Klarinetten - Flöten - Laukas Tonstudio - Studiobühne
Matthias Dörsam - Komponist - Saxophone - Klarinetten - Flöten - Laukas Tonstudio - Studiobühne

Pressestimmen ab 2021

Musikalische Spurensuche
Odenwälder Zeitung - FÜRTH, 29.10.2022
Studiobühne Fürth: Am Montag ist dort „Jamsession“

Fürth. „Jamsession“ ist Thema und zugleich Programm beim nächsten Abend der Fürther Studiobühne. Mitwirkende Musiker, teilt Leiter Matthias Dörsam mit, zahlen für den Abend am Montag, 31. Oktober, fünf Euro Eintritt, Besucher zehn, während Musikprofis umsonst dabei sein dürfen. Um 19.30 Uhr geht es los mit dem gemeinsamen Musizieren.

Eine halbe Stunde später, um 20 Uhr, beginnt das Konzert des Miriam Ast-Trios, das für Donnerstag, 17. November, am selben Ort geplant ist. Die Namensgeberin ist für den Gesang zuständig, kleidet in ihre Stimme Folksongs aus verschiedenen europäischen Ländern und begibt sich zugleich auf Spurensuche in die Vergangenheit. Angefangen hatte die junge Vokalistin einst im Bundes-Jugend-Jazzorchester; die Verbindung zur Insel entstand durch ihr Londoner Studium.

Brexit und Volkslieder

Moderner Jazz ist das Motto ihres Konzeptalbums, in das Entwicklungen wie der Brexit, aber auch verschiedene, nationale Strömungen in Großbritannien ebenso eingeflossen sind wie ihre persönliche Besinnung auf gemeinsame, europäische Wurzeln.

Dazu gibt es ganz eigene Volkslieder-Arrangements, außerdem moderne Jazz-Kompositionen und klassische Standards, in eine „frische, moderne Form gebracht“, wie Veranstalter Dörsam ankündigt. Die Sängerin ist nicht allein auf der kleinen Bühne im gemütlichen, an ein Wohnzimmer erinnernden Saal.

Ihr zur Seite stehen Jazz-Pianist Daniel Prandl, außerdem Bassistin Katharina Groß, und Dörsam bemerkt: Miriam Ast zeige „mit dieser für den Jazz eher ungewöhnlichen Besetzung ihren Mut, sich auf neue Wege zu begeben und stilistische Grenzen zu überwinden“. Interessenten sollten sich rechtzeitig Karten besorgen, da die Studiobühne klein sei.

Bereits jetzt steht übrigens auch schon der Jahresabschluss fest: Am Montag, 28. November, wird die Konzertsaison abgerundet durch eine weitere Jamsession, wieder ab 19.30 Uhr. stk

Karten gibt es im Vorverkauf in der Fürther Buchhandlung am Rathaus oder im „Lesezimmer“ in Rimbach. Die Studiobühne in der Fahrenbacher Straße 22 ist im Internet zu finden unter www.matthiasdoersam.de

Einer der bedeutendsten Jazzpianisten
Odenwälder Zeitung - FÜRTH, 01.09.2022
Zur Wiederaufnahme des Konzertbetriebs in der Studiobühne kommt gleich ein ganz Großer der Szene nach Fürth

Die Frankfurt City Blues Band kommt in die Studiobühne zurück.   Archivbild: Philipp Reimer

 

Fürth. Der Konzertbetrieb in der Fürther Studiobühne startet wieder. Und Inhaber Matthias „Mattl“ Dörsam geht gleich in die „Vollen“: In der übernächsten Woche geben gleich zwei hochinteressante Formationen ihre Visitenkarte in der kleinen aber feinen Location ab. Kurzfristig ins Programm gerutscht ist ein echter Hochkaräter: Das Vahagn Hayrapetyan Trio spielt am 12. September (19.30 Uhr) in Fürth. Bereits drei Tage später – am 15. September – steht die Frankfurt City Blues Band auf Studiobühne Studionbühne (20 Uhr). „Ich lebe in der Hoffnung, dass die Kulturinteressierten dann auch wieder in großer Zahl die Konzerte besuchen“, sagte Dörsam. Ein nicht Kulturbetrieb Kultubetrieb wie die Studiobühne könne nur über generierte Eintrittsgelder die Künstler bezahlen.

Jazzpianist, Sänger und Komponist Vahagn Hayrapetyan ist Träger des Titels „Honored Artist of the Republic of Armenia“. Seine ganz eigene und außergewöhnliche Spielweise hat sich über Jahre hinweg entwickelt. Bereits in jungen Jahren vom Jazz begeistert, lernte Vahagn von berühmten Jazzlegenden wie Barry Harris und Frank Hewitt in New York und arbeitete mit unzähligen bekannten Jazzmusikern. In New Orleans nahm er mit diversen Künstlern drei Alben auf.

2010 erschien sein erstes Soloalbum „Singin’ and Swingin“ sowie „Strike up the band“ mit seinem New York-Yerevan-Jazz-Quartett/Quintett. Zusammen mit dem herausragenden russischen Jazzpianisten Daniil Kramer, mit dem er oft zusammen auftrat, nahm er in 2013 sein erstes Duo-Album „Live in Yekaterinburg“ auf. Seit den 1980er ist er der Kopf des „Vahagn Hayrapetyan Trios/Quartetts“. Und seit 1998 ist er Pianist und Keyboarder der weltberühmten „Armenian Navy Band“. Im Jahre 2004 gründete er eine weitere Band, die „Katuner“ („Katzen“).

Neben seiner Karriere als Jazzpianist, arbeitet Vahagn als Lehrer für Jazz im armenischen Yerevan sowie in Syrien, im Iran, Libanon und Jordanien. Er unterrichtet und performt mit Ari Rolland, einem der größten Bassisten der Welt, und seiner Band am „Jazz futures“-Programm mit, das von der amerikanischen Botschaft in Zypern organisiert wird. Außerdem schreibt Vahagn Soundtracks für Kinofilme. Für die Musik in „If Only Everyone“ gewann er den Preis des „Beijing International Movie Festival“. Vahagn hat unzählige Konzerte in der ganzen Welt gegeben, sowohl als Solokünstler als auch mit den unterschiedlichsten Ensembles, darunter viele Jazzgrößen. Sein ganz besonderer Sound und seine außergewöhnlichen Auftritte, mit denen er sein Publikum begeistert, machen ihn zu einem der bedeutendsten Jazzpianisten der Welt.

Frankfurt City Blues Band

Seit 40 Jahren gelingt der Frankfurt City Blues Band der Spagat zwischen authentischen und aufregend neuen Interpretationen. Die Band beeindruckt Traditionalisten als auch Freunde exzentrischer Pop-Musik. Die Band geht dabei ihren eigenen Weg, das Ohr dabei immer an dem musikalischen Nabel der Zeit. Die Musik der Frankfurt City Blues Band ist geprägt von der Ausnahmestimme von August Scheuflers rau, sanft, manchmal auch schrill. Dabei gelingt es den Musikern immer wieder, virtuos neue Akzente zu setzen und gleichzeitig vertraute Gefühle zu wecken.

Weiter im Programm der Studiobühne bleiben die regelmäßigen Jamsessions mit einer offenen Bühne. Nächster Termin ist am Montag, 31. Oktober, um 19.30 Uhr. „Die alte Tradition der Jamsession, bei der jeder der sich berufen fühlt, auf der Bühne sein Bestes zu geben, ist der Urbaustein des Jazz. Alle Größen des Jazz berichten von ausgiebigen Session, bei denen sich das Repertoire und die Kommunikation unter den Musikern entwickelt und sich immer wieder neue Jazzszenen bilden, in immer neuen Besetzungen“, schreibt Matthias Dörsam dazu. Amateure sowie Profis sind willkommen – wobei von dem Beherrschen des Instruments und der Kenntnis des grundlegenden Jazzrepertoirs ausgegangen wird – und natürlich auch ein neugieriges Publikum.

Jazz in seiner Reinform

„Es ist ein besonderes Erlebnis, dabei zu sein, wenn Jazz in seiner Reinform, also ungeprobt und improvisiert, gespielt wird“, so der Studiobühnen-Betreiber. Gespielt werden keine freien Improvisationen, sondern thematisch und harmonisch festgelegte Formen, die auf dem „Great American Songbook“ oder dem in Fachkreisen sogenannten „Realbook“ stammen. Es ist aber auch möglich, über Kinderlieder, Volkslieder oder aktuelle Hits zu improvisieren. Von Dixiland, Swing, Bebop bis zur Moderne sollte alles möglich sein. „Durch die am Abend ständig wechselnden Besetzungen bleibt es immer spannend“, verspricht Dörsam.

Karten im Vorverkauf: Buchhandlung am Rathaus in Fürth; Lesezimmer in Rimbach.

Das Programm

Montag, 12. September, 19.30 Uhr: Vahagn Hayrapetyan Trio

Donnerstag, 12. September, 20 Uhr: Frankfurt City Blues Band; Andreas August Scheufler, Voc.; Achim Farr, Sax, Harp; Tilmann Höhn, Git.; Klaus Bussalb, Bass; Andreas Neubauer, Drums

Montag, 26. September, 19.30 Uhr: Jamsession

Mittwoch, 5. Oktober, 20 Uhr: Lehel‘s Acker Blümlein & Lisa Wilhelm; Jazz, Soul, Blues; Peter Lehel, Sax.; Werner Acker, Git.; Dirk Blümlein, Bass; Lisa Wilhelm, Drums

Montag 31. Oktober, 19.30 Uhr: Jamsession

Donnerstag, 17. November, 20 Uhr: Miriam Ast Trio; Miriam Ast, Vocal; Daniel Prandl, Piano; Katharina Groß, Bass

Montag, 28. November, 19.30 Uhr: Jamsession

Die City kommt nach Fürth
Odenwälder Zeitung - FÜRTH, 25.06.2022
Studiobühne: Matthias Dörsam lockt für das Herbstprogramm namhafte Formationen und Musiker in die Weschnitztalgemeinde
 

Bild: Dieter Hölzer

Fürth. „Trotz der unglaublichen und menschenverachtenden Dinge, die im Moment auch in Europa für Angst, Schrecken, Schmerz, Leid und Unheil sorgen, dürfen wir die Kraft nicht verlieren.“ Matthias Dörsam, Musiker, Komponist und Betreiber der Studiobühne in der Fahrenbacher Straße in Fürth, macht sich und anderen „in diesen Zeiten“ Mut, will Hoffnung und Zuversicht schöpfen. Dazu gehört auch, dass er seinen kulturellen Aktivitäten weiterhin – wenn nicht gar verstärkt – nachgehen will.

Die Kunst erzählt sich selbst

Mannheimer Morgen 23.02.2022

Martin Vögele

Wenn die Kunst die Zeit verdrängt
Odenwälder Zeitung - 12.02.2022

Live-Musik zum Video: Matthias Dörsam, Kurt Holzkämper und Johannes Stange (von links) in Aktion. Bild: Fritz Kopetzky

Live-Musik zum Video: Matthias Dörsam, Kurt Holzkämper und Johannes Stange (von links) in Aktion. Bild: Fritz Kopetzky
Am dritten „What else …“-Abend erleben Musiker und Gäste ungewöhnliche Phänomene
 

Fürth. Wenn die Zeit plötzlich kein Thema mehr ist, dann hat es die Kunst geschafft, alle Sinne auf sich zu lenken. So geschehen in der Fürther Studiobühne beim dritten Teil der „What else …“-Reihe. Für Musiker und Publikum gleichermaßen überraschend flimmerte unvermittelt der Abspann des ersten 40-minütigen Films über die Leinwand, der an diesem Abend live vertont wurde. „Das waren doch gerade mal 10 Minuten“, entfuhr es Kurt Holzkämper ungläubig.

Der Bassist war Teil des Trios, das dieses Projekt von Matthias Dörsam in dieser Woche vervollständigte – neben Johannes Stange (Trompete/Posaune) und dem Gastgeber (Saxofon/Klarinette/Flöten). Dörsam hat sechs Filme aufgenommen, die an drei Abenden live vor Publikum in der Studiobühne vertont worden sind. Außer ihm hatte keiner der beteiligten Musiker die Videos zuvor gesehen, auch gab es keine musikalische Vorgabe. Improvisationskunst und Spontanität waren also gefragt. Und davon erlebten die Gäste jede Menge.

Den drei Musikern des Abschlussabends war der Spaß daran anzumerken. „Das macht richtig Laune“, kommentierte Stange in der Pause. Auch weil das Trio bestens miteinander harmonierte. Das Publikum erlebte ein spannendes Zusammenspiel mit ungewöhnlicher Instrumentierung. Es war erstaunlich, wie sich beispielsweise Saxofon und Trompete, die beide eigentlich gerne dominierend im Vordergrund erklingen, gegenseitig Raum ließen und in den Improvisationen immer wieder zueinander fanden.

Als großartiges, verbindendes und doch eigenständiges Element erwies sich das Bassspiel Holzkämpers. Mal auf dem Kontrabass – gerne auch mit Bogen –, mal auf dem E-Bass schuf er Fundamente und Linien, die mal alleine trugen, mal die Bläser unterstützten. Mit Synthesizer-Klängen fügte er zudem eine zusätzliche Soundebene ein, die immer wieder für spannende, bereichernde Effekte sorgte.

Neue Perspektiven auf den Alltag

Die zwei Filme des Abends tragen die Titel „Graffitis“ und „Wondering“. Während der erste selbsterklärend ist, steht der zweite für eine recht freie Aneinanderreihung von Motiven aus Natur, Technik und Architektur. Im Gegensatz zu den fünf anderen Videos hat dieses kein Grundthema. „Ich bin bei der Zusammenstellung der Sequenzen meinen Assoziationen gefolgt – es sind manchmal seltsame Gedankengänge“, sagt Dörsam mit einem Schmunzeln. „Wondering“ (wundern) also auch über sich selbst.

Interessant ist das allemal, vor allem, weil es überraschende Perspektiven auf – scheinbar – Alltägliches eröffnet. Etwas, was im Grunde auch für „Graffitis“ gilt. Dörsams so betiteltes Video verdeutlicht, wie allgegenwärtig diese sind. Und es lenkt den Blick auch auf die Ambivalenz dieser Hinterlassenschaften von Sprayern: Mal sind echte Kunstwerke zu sehen, mal einfach nur Schmierereien.

Dörsam hat seine Motive im Alltag gefunden, in dem die Kamera in den vergangenen beiden Jahren sein steter Begleiter war. „Das Fehlen von anderen Engagements hat Raum für solche Projekte eröffnet“, kann der Fürther den Einschränkungen durch die Pandemie auch Positives abgewinnen. Dies gilt natürlich nicht für die finanzielle Seite. Sowohl als Musiker in diversen Bands und Formationen als auch als Veranstalter lagen Dörsams Aktivitäten seit Anfang 2020 weitgehend auf Eis.

Wann in der Studiobühne wieder reguläre Konzerte angeboten werden können, steht in den Sternen. Aktuell können dort gemäß der Coronabestimmungen maximal 30 Gäste unter der 2G-Regel eingelassen werden. Zu wenig, um die Kosten zu decken, erklärt Matthias Dörsam. Für die „What else …“-Reihe hatte er Mittel aus dem Gema-Stipendium „Neustart Kultur“ erhalten. Nur deshalb sei sie umsetzbar gewesen.

Die insgesamt sechs Filme, die mit Hilfe von Matthias Braun (Kamera) und Jürgen Kilian (Recording) in der Studiobühne ihren letzten Schliff und Soundtrack bekommen haben, werden nach und nach auf dem Youtube-Kanal von Matthias Dörsam veröffentlicht. Auf diesem sind auch weitere Filmprojekte des Fürthers aus den Coronajahren zu sehen. arn

Zwei der sechs „What else …“-Filme sind bereits auf dem YouTube-Kanal „Matthias Dörsam“ veröffentlicht worden. Dieser QR-Code führt direkt dahin.

07.02.2022

LES PRIMITIFS 

Ella&Louis, Mannheim

 

Eine schöne Kritik von Martin Vögele im Mannheimer Morgen

... (linke Spalte)

Bilder von Angela Mahmoud

Odenwälder Zeitung, 17.01.2022
Das Auge des Regenbogens schaut beim Schauen zu
David Heintz und Matthias Dörsam vertonen in der Studiobühne zwei weitere selbst produzierte Filme
Bild: Marco Schilling

Fürth. „What else …“ ist der Titel der Veranstaltungsreihe, die der umtriebige Jazzmusiker Matthias „Mattl“ Dörsam vergangenes Jahr ins Leben gerufen hat. Seit Beginn der Pandemie hat sich der Multiinstrumentalist zunehmend in das Medium Film eingearbeitet und verbindet dies nun auf kreative Weise mit seinem musikalischen Schaffen. Jetzt fand der zweite What-else-Abend in seiner Studiobühne statt. „Zeichen“ und „Augen“ waren die Themen der zwei von Dörsam geschaffenen Filme, zu denen er gemeinsam mit Musikerkollege David Heintz auf der Bühne improvisierte.

„Bei Zeichen denkt man ja oft an bedeutungsschwangere Symbole wie den Blitz, der vom Himmel kommt“, erklärt Matthias Dörsam den Impuls, der ihn zur Realisierung des ersten gezeigten Streifens animierte. „Aber sie sind allgegenwärtig. Wir begegnen ihnen ständig im Alltag.“ Was er damit meinte, sind zum Beispiel Verkehrsschilder, Aufkleber, an Türen angebrachte Zettel, die mit Texten oder bildlichen Darstellungen versehen sind und den Menschen damit Botschaften senden.

Die Zeichen des Alltags

Mit Klarinette, Saxophon und Querflöte begleitete Matthias Dörsam seine Filme, griff aber zwischendurch auch mal zu Trommeln, die er mit Schlegel und Drumsticks bearbeitete. „Dieses Mal hatten wir keinen Schlagzeuger dabei“, erklärt Dörsam nach dem Konzert. „Dadurch war der Sound etwas zurückhaltender und wir hatten mehr Möglichkeiten für leisere Klänge.“ Musikerkollege David Heintz griff filigran und dynamisch die Saiten oder strich mit dem Plektrum über diese. So schufen sie gemeinsam Klanggebilde, die oft ruhig und meditativ wirkten, mehrfach jedoch bauten sie Spannungsbögen auf, gewannen an Geschwindigkeit und Dramatik hinzu, ehe sie wieder in ruhigere Gefilde zurückkehrten.

„Signs“, der erste Film, lieferte dazu eine Collage aus zahllosen Schildern unterschiedlichster Art. Es beginnt mit einem Einbahnstraßenschild, gefolgt vom absoluten Halteverbot, versehen mit Pfeil nach rechts. Es ist ein fließender Übergang zwischen den einzelnen Motiven, der den Musikern Flexibilität abverlangt. Das war an diesem Abend vor allem für David Heintz eine Herausforderung, denn er wusste überhaupt nicht, was auf ihn zukam.

„Sie kennen nur das Thema“, so Matthias Dörsam über die Mitmusiker. „Sonst könnten sie sich vorbereiten und dann wäre es keine Improvisation.“ Da hat er es als Schöpfer der Filme natürlich ein bisschen einfacher. Aber Dörsam und Heintz kennen sich seit vielen Jahren. „Wir kommunizieren auf der Bühne blind miteinander.“

Interessante Effekte

Während Matthias Dörsam mit der Klarinette Klänge erschafft, die mysteriös und geheimnisvoll wirken, setzt er beim Saxophon auf heitere und verspieltere Töne. Fast arabisch-orientalisch mutet das Spiel auf der Querflöte an, auf die Dörsam an diesem Abend aber nur selten zurückgreift. David Heintz findet dazu immer den passenden Ton, lässt sein Instrument fast wie eine Oud klingen. Ähnlich wie bei den Bildern ist der Übergang zwischen einzelnen musikalischen Abschnitten sehr fließend, so dass der Zuschauer kaum bemerkt, dass jeder Film von einzelnen Improvisationsstücken unterlegt wird.

Filmisch greift Matthias Dörsam zu interessanten Effekten, lässt beispielsweise Aufnahmen flimmern, so dass sich der Zuschauer an alte VHS-Kassetten erinnert fühlt. Farbverfremdungen und Schwarz-Weiß-Optik gehören ebenso zur Trickkiste des frisch gebackenen Filmemachers, der für sein What-else-Projekt eine GEMA-Föderung aus dem Zukunftsprogramm „Neustart“ ergattern konnte.

„Die Filme haben kein Thema“, versichert er. Die Schilder, die er zeigt, stammten aus verschiedenen Ländern, darunter Frankreich und Tschechien. Humoristisch wirken Rechtschreibfehler auf Zetteln und witzige Sprüche, die der Musiker auf Urlaubsreisen mit der Kamera eingefangen hat. Auch ein paar Graffiti werden präsentiert. Hin und wieder erlaubt er sich einen Spaß und lässt zum Beispiel die Figur eines Kindes aus einem Verkehrsschild hinauslaufen oder er baut Schilder mit abnehmenden Entfernungsangaben ein, um einen Spannungsbogen aufzubauen.

Stimmungen der Natur

Sehr von Naturstimmungen ist der zweite Film „The Eye“ geprägt. Inspiration war ein kräftiger Regenbogen über Dörsams Heimatort Fürth, den er zufällig fotografierte. „Regenbogen und Horizont ergaben zusammen die Form eines Auges.“ Dazu kopierte er eine blaue Iris hinein und das Auge war perfekt. Meereswellen, Wolken, Wanderungen bei Schneetreiben im Wald sowie Landschaften im Dämmerlicht fügte er zu einem harmonischen Gesamtwerk zusammen – und über allen Landschaften erscheint immer wieder das blaue Regenbogenauge.

„Der Gedanke ist, dass man beim Schauen beobachtet wird und damit gedanklich in das Geschehen eintaucht, also ein Teil des Bildes ist“, beschreibt Dörsam seine Intention bei der Arbeit am Film. „Es wird dadurch die Position des Betrachters mit der des Teilnehmenden vermischt.“

„Ich interessiere mich schon lange für das Filmemachen. Aber ohne Corona hätte ich vermutlich nie die Zeit dafür gehabt“, bekennt er offen. Sechs Filme produziert er im Rahmen des What-else-Projekts. Pro Abend werden zwei davon vor Publikum live vertont. Der erste Abend fand im Dezember statt. Die Filme fünf und sechs stehen am 9. Februar an. Thema für den fünften Film werden Graffiti sein. „Ein zweites fehlt mir noch, da muss ich mir was überlegen“, gesteht Dörsam. Aber er hat ja noch ein bisschen Zeit zum Improvisieren. pas

Die Rheinpfalz Nr. 251       KULTUR REGIONAL       Donnerstag 28. Oktober 2021

Drei Formen der Kunst werden eins
Matthias Dörsam lässt im Film Musik, Bildhauerei sowie Schriftstellerei verschmelzen
Odenwälder Zeitung 28.12.2021

Der Dichter Ralf Dutli bei der Lesung seiner Texte. Er wurde in dieser Szene mit Aufnahmen von Plastiken Martin Hintenlangs zusammengeschnitten, um eine mehrdimensionale Wirkung zu erzielen und die verschiedenen Kunstrichtungen zusammenzuführen. Bild: Matthias Dörsam

 

 

Fürth. Ein hämmernder Bildhauer, ein rezitierender Dichter und ein Musiker an seinen Instrumenten: In Matthias Dörsams neuem Film „Stein – Wort – Musik“ werden Künste unterschiedlicher Art auf innovative Weise zu einem Gesamtwerk synthetisiert. Dafür arbeitete der Fürther Musiker, Produzent und Veranstalter mit dem preisgekrönten Schweizer Schriftsteller und Lyriker Ralf Dutli sowie dem international bekannten Bildhauer Martin Hintenlang aus Abtsteinach zusammen. Die Hessische Kulturstiftung unterstützte seine Arbeit mit einem Stipendium in Höhe von 2500 Euro, mit denen die Kosten jedoch nicht hätten gedeckt werden können.

„Ich habe den Film aus Spaß gemacht. Finanziell ist das Humbug“, sagt Dörsam augenzwinkernd. „Der Künstler hat etwas im Kopf, das er dann in die Realität umsetzt“, erklärt er den Entstehungsprozess eines neuen Werks bei Kunstschaffenden in einfachen Worten. Die Herangehensweisen seien jedoch von Künstler zu Künstler unterschiedlich. An der Bildhauerei fasziniert ihn besonders das archaische Element: „Das ist Handwerk, Staub und Dreck – trotzdem entsteht daraus sensible Kunst.“

Auch der Musiker sei ein Handwerker, der seine Fähigkeiten am Instrument erlernen und regelmäßig schulen müsse. „Es fängt ganz furchtbar an“, beschreibt er den mühsamen Weg, vergleicht den Lernprozess mit Schularbeiten und Hausaufgaben. „Aber nur dann lernst du, über das Handwerkliche irgendwann hinauszugehen und selbst kreativ zu werden.“

Skulpturen rahmen die Verse

Dagegen entfalte sich beim Schreibenden alles in seinen Gedanken und in der Auseinandersetzung mit Literatur und Philosophie – jedenfalls gilt dies für Ralf Dutli. „Ein unglaublich belesener und gebildeter Mensch“, so Matthias Dörsam. Vor vielen Jahren hat er ihn bei einer Lesung musikalisch begleitet. Als er Dutli für sein Filmprojekt anfragte, sei er sofort bereit gewesen, mitzumachen und sich beim Lesen seiner Texte in Dörsams Tonstudio filmen zu lassen. In diesen Texten setzt er sich mit Salz auseinander. Dem kristallinen Würzmittel hat er ganze Reihe von Gedichten gewidmet und sich ihm darin auf facettenreiche Weise angenähert. Unterlegt von der kontemplativ gehaltenen Musik Matthias Dörsams, liest er klar und präzise seine Verse: „Salzige Herzstürme; wer ohne Salz ist, werfe das erste Korn. Wer nie sein Brot mit Salz aufaß, der kennt euch nicht, ihr himmlischen Nächte. Warum sind Tränen salzig, Blut und Schweiß und mehr nicht bittersüß? Was du liebst, zuckere es nicht, besser lieb es, lieb es besser salz’ es und behalt’ es.“

In der Werkstatt und draußen

Gerahmt werden Dutlis Worte von Aufnahmen der Werke Martin Hintenlangs. Matthias Dörsam hat sie sowohl in dessen Werkstatt als auch an Standorten in der Region gefilmt, so etwa die Skulpturen der Sparkassengründer vor dem Sparkassenmuseum in Heppenheim oder ein bewusst unvollendet gelassenes Wasserrad aus Stahl und Plastik, das im Kreisverkehr auf der B 3 in Heppenheim, kurz vor dem Ortsausgang in Richtung Laudenbach, aufgestellt ist. Hinzu kommen kleinere Plastiken wie der „Kuss“ sowie Arbeiten aus Beton.

Eigens komponierte Stücke

Auch der Bildhauer selbst ist im Film zu sehen, während er mit Hammer und Meißel aus einem Stein ein Gesicht herausarbeitet. „Wie die Musik und die anderen Kunstformen zusammenfließen, ist der Wahnsinn“, zeigt sich Matthias Dörsam von der synästhetischen Wirkung der Künste begeistert. Die verschiedenen Kunstformen überlagern und vermischen im Laufe des 46-minütigen Films immer mehr.

Dörsam selbst hat zahlreiche Stücke neu für den Film komponiert, ist für Kamera und Schnitt verantwortlich, hat überdies 13 Instrumente, darunter diverse Saxophone und Flöten, eingespielt. Am Bass wurde er von Maurice Kühn unterstützt.

Die Grenzen erweitern

Immerzu ist Dörsam auf der Suche nach neuen Motiven und Bildern, die er in Filmproduktionen einfließen lassen kann. Die moderne Technik macht es möglich. „Mit den aktuellen Smartphonekameras kann man qualitativ hochwertige Aufnahmen machen.“ Ein großes Archiv hat er angelegt. Egal ob Gegenstände, Gebäude, Landschaften – von Sonnenuntergängen über fließendes Wasser bis zu Stacheldraht hat er schon grundverschiedene Motive gesammelt. „Ich fotografiere und filme sehr viel“, erklärt der umtriebige Musiker – und ergänzt augenzwinkernd: „Manchmal ist die Familie schon etwas genervt, wenn ich unterwegs wieder mal die Kamera zücke.“

Mit seinem mehrdimensionalen Werk möchte er die Menschen einladen, ihre Grenzen zu erweitern und sich auf neue Eindrücke einzulassen. „Die Musik hat eine viel stärkere Wirkung, wenn sie mit Bildern unterlegt ist. Umgekehrt würden auch die einzelnen Bilder eher langweilen – aber im Film wirken sie.“ Zu einfach will er es dem Betrachter aber auch nicht machen: „Kunst soll heute schnell verstehbar sein, dagegen ist die Bereitschaft, sich anzustrengen, eher gering.“ pas

„Stein – Wort – Musik“ ist auf dem You-Tube-Kanal von Matthias Dörsam eingestellt.

Experiment in Bild und Ton
In der Studiobühne wird der Soundtrack für zwei Filme vor Publikum eingespielt
Odenwälder Zeitung 11.12.2021

Fürth. Der Fürther Musiker, Produzent und Veranstalter Matthias „Mattl“ Dörsam hat während den wiederholten Lockdowns und der anhaltenden Auftrittsflaute endgültig sein Faible fürs Filmemachen entdeckt. Angefangen mit der Benefizaktion „Covid 19 follows Amber 575“, über das viel beachtete musikalisch-visuelle Werk „Zwischenzeiten – Between Times“ und das Projekt „Stein – Wort – Musik“ – ,das seit einer Woche auf Dörsams YouTube-Kanal zu sehen ist – mündet dieser Weg jetzt in ein besonderes „Experiment“, das am Donnerstag in der Fürther Studiobühne startete.

Matthias Dörsam hat sechs 40-minütige Filme aufgenommen – ohne Ton. Die ungewöhnliche Idee: Musiker spielen den Soundtrack live vor Publikum ein – in Form einer Improvisation zum laufenden Film. „Das ist sehr spannend“, sagt er kurz vor dem Start am Donnerstagabend. Denn: „Töne kann man nicht mehr zurückholen, wenn sie einmal gespielt sind“, ergänzt Ali Neander.

Der Gitarrist bildete zusammen mit Schlagzeuger Erwin Ditzner und Dörsam (Klarinette, Flöte, Saxophon) das Trio, das am Premierenabend die ersten beiden Filme vertonte. Zwei weitere Sessions für die vier verbleibenden Filme folgen am 13. Januar und am 9. Februar mit wechselnden Besetzungen. Außer Mattl Dörsam hat keiner der Musiker die Filme zuvor gesehen. Daraus bezieht dieses Experiment seinen besonderen Reiz. „Das fordert dich als Musiker mental und körperlich, weil du 40 Minuten lang sehr konzentriert sein und am Ball bleiben musst“, erklärt er.

Zwei weitere Abende

Schnell wird am Donnerstag klar, dass Dörsam mit Ditzner und Neander zwei kongeniale Partner für dieses Wagnis gefunden hat. Von der ersten Sequenz des Auftaktfilmes „Numbers“ an, findet das Trio zueinander, und eine imaginäre Verbindung scheint es durch die insgesamt 80 Minuten bis zum Ende des zweiten Videos „Movements“ zu führen. Es sind das feine Gespür dafür, wann man selbst Akzente setzt und wann man sich zugunsten eines Mitmusikers etwas zurücknimmt sowie das kollektive Wissen um die passenden Tempi und Dynamiken, welche das Ganze tragen.

Intuitiv scheinen die drei Musiker sich in diesem Zusammenspiel zu vereinen, das ohne Vorgaben und Pläne funktioniert. Das klingt über weite Strecken experimentell, scheint immer mal wieder in unterschiedliche Richtungen ausbrechen zu wollen und kreiert zwischenzeitlich auch überraschend melodiöse Passagen. Die Musiker orientieren sich an den Videosequenzen, die vor ihnen auf einem Monitor und hinter ihnen auf einer Leinwand – für das Publikum – laufen. Und auch wenn die Improvisationen größtenteils frei wirken, fügen sich Bilder und Töne an diesem Abend zu einem stimmigen Ganzen.

„Ihr seid direkt bei der Entstehung eines Werkes dabei“, erklärte Dörsam dem Publikum. Dieses war am Donnerstag übersichtlich. Zwar sind derzeit sowieso nur 30 Besucher in der Studiobühne erlaubt, selbst diese kamen aber nicht zusammen. Eine aktuell eher grundsätzliche Zurückhaltung bei Veranstaltungsbesuchen paarte sich da wohl mit dem ungewöhnlichen Format. Den Raum füllten stattdessen Projektions- und Aufnahmegeräte. Matthias Braun übernahm die Kameraführung – denn auch Sequenzen mit der Band sollen in den fertigen Fassungen der Videos zu sehen sein. Jürgen Kilian war für die Tonaufnahmen verantwortlich.

Ein optischer Countdown zu Beginn und zum Ende der Videos – mehr Orientierung gab es für alle Beteiligten dabei nicht. Womit das Thema des ersten Films „Numbers“ angeschnitten ist. In diesem wandern Zahlen aller Art durchs Bild: Uhren, Kalender, Tachometer und vieles mehr bilden ein visuelles Stakkato – auch ein Verweis auf den hektischen, von Messzahlen bestimmten Alltag. Deutlich ruhiger ist der zweite Film des Abends. Der Titel „Movements“ verspricht zwar Bewegung, diese findet Dörsam aber zumeist in der Entspanntheit von sich im leichten Wind bewegenden Blättern oder langsamen Kamerafahrten durch scheinbar endlose Gänge.

Es war ein inspirierender Abend in der Studiobühne, bei dem sich das Publikum gerne auf ungewöhnliche Töne und Bilder einließ und am Ende mit Beifall nicht sparte. Wer es verpasst hat, dem bieten sich noch zwei Gelegenheiten. arn

In der „Zwischenzeit“ wird es kreativ
Musiker, Produzent und Veranstalter „Mattl“ Dörsam hat die Coronapause genutzt
Odenwälder Zeitung 08.06.2021
Matthias Dörsam hofft, bald wieder Veranstaltungen in seiner Fürther Studiobühne anbieten zu können. Archivbild: Michael Kochendörfer
Musiker, Produzent und Veranstalter „Mattl“ Dörsam hat die Coronapause genutzt
 

Fürth. Langweilig ist es Matthias „Mattl“ Dörsam nicht geworden. Obwohl dem Musiker die rund 150 Gigs, die er normalerweise im Jahr hat, seit März 2020 komplett weggebrochen sind. Und obwohl auch in seiner Studiobühne in Fürth seit etlichen Wochen ungewohnte Ruhe herrscht. Widrige Umstände für den umtriebigen Künstler, Produzenten und Veranstalter. Aber der Fürther ist einer, der in allen Situationen das Positive sucht und findet: „Der Vorteil ist, dass man mehr Zeit für den ,eigenen Unsinn‘ hat.“

Und diese Zeit hat Matthias Dörsam genutzt. Das vielleicht bemerkenswerteste Ergebnis ist der Musikfilm mit dem bezeichnenden Titel „Zwischenzeiten – Between Times“, den er komplett alleine aufgenommen und vertont hat (wir haben berichtet). Das fast zweistündige Werk heimst allerbeste Kritiken ein, sowohl was die Musik als auch die Optik betrifft – und natürlich die Symbiose aus beidem.

„Das ist mit das Authentischste, was es von mir je gegeben hat“, sagt Dörsam. Entsprechend intensiv hat ihn das Werk beschäftigt. Dörsam wollte auch handwerklich höchste Qualität schaffen – und das ist ihm mit akribischer Arbeit gelungen. Auch dank des Förderprogramms „Hessen innovativ eröffnen“ der Landes-Kulturstiftung, das ihm die Anschaffung einer professionellen Film-Bearbeitungsausrüstung ermöglichte.

Neues Filmprojekt

„Ein Film über das Thema Zeit: Das hat natürlich gepasst“, so Dörsam. Denn diese schien während der Pandemie plötzlich einen ganz eigenen Rhythmus zu haben – eine völlig neue Bedeutung. Für den Fürther beförderte sie vor allem Kreativität – weil dafür mehr Zeit blieb als während des normalen Musikeralltags.

Und deshalb steckt Dörsam aktuell auch bereits in den Vorbereitungen für sein nächstes Filmprojekt, bei dem er unterschiedlichste Kunstformen interagieren lassen will: Poesie, Bildhauerei und Musik. Mit dabei werden der aus der Schweiz stammende Literat Ralph Dutli und Bildhauer Martin Hintenlang aus Abtsteinach sein. Dörsam selbst wird die Musik beisteuern. „In diesen drei Formen der Kunst ist der Weg zum Ergebnis völlig different – und dennoch gibt es Gemeinsamkeiten“, beschreibt Dörsam den Bogen, den er bei diesem Projekt spannen will. „Bei Zwischenzeiten hatte ich von Beginn an ein klares Bild, wie das Ergebnis aussehen wird. Hier werde ich mich von der Kunst und den Künstlern treiben lassen“, erklärt er seine Herangehensweise.

Sollen die konkreten Arbeiten daran Mitte des Monats beginnen, ist ein weiteres Projekt von Matthias Dörsam während der Coronazeit bereits abgeschlossen: Gemeinsam mit dem befreundeten Gitarristen David Heintz hat der Klarinettist das Album „The Art of Two“ aufgenommen. „Es wird tatsächlich als gute alte Platte auf Vinyl erscheinen“, freut er sich. Aber auch eine Auflage als CD ist geplant.

Noch einige Unwägbarkeiten

Im Herbst wollen Dörsam und Heintz ein Release-Konzert in der Studiobühne geben. Vorzugsweise vor Publikum. Womit das Thema Veranstaltungen in Mattls kleiner (aber feiner) Location in Fürth angeschnitten wäre. Nachdem bis in den Februar zumindest hin und wieder Konzerte via Livestream von dort zu sehen waren, herrscht seitdem Ruhe. „Solche Internet-Aktionen funktionieren nicht mit allen Bands“, erklärt Dörsam. Manche Formationen sind schlicht zu groß, um eine Produktion unter den nötigen Hygienebedingungen durchziehen zu können. „Bei anderen macht es keinen Sinn, sie ohne Publikum spielen zu lassen“, erklärt er. Deshalb hat er auf Livestreams mit den im Frühjahr geplanten Acts verzichtet.

Eines steht für Dörsam aber fest: Sobald es möglich ist, geht es mit Konzerten in der Studiobühne weiter. „Fürth soll nicht noch eine Location verlieren, nachdem es die ,Alte Drogerie‘ nicht mehr gibt – was sehr schade ist“, sagt er. Wann es so weit sein wird, kann er allerdings noch nicht sagen. Eine unbekannte Planungsgröße ist dabei auch die Einreise der internationalen Musiker in Pandemiezeiten.

Und auch die Größe der Studiobühne macht es nicht leichter. „Selbst wenn sich die Coronalage in den nächsten Wochen weiter gut entwickelt, kann ich den Raum bis auf Weiteres maximal halb vollmachen – mit 30 Gästen lässt sich aber ein Konzert nicht finanzieren“, erklärt er. Dörsam kann sich deshalb auch eine Kombination aus (begrenztem) Publikum im Saal und Livestream vorstellen. Immerhin hat sich gezeigt, dass die Musikfreunde bereit sind, auch für das Netzerlebnis einen Obolus zu entrichten. Und auch über die Pandemie hinaus ist für den Fürther dieses Format durchaus interessant: „Es vergrößert die Reichweite.“

Auftritte kommen zurück

Nach dem „auftrittsmäßigen Kahlschlag“ (Dörsam) geht das Bühnenleben für den Musiker langsam, aber sicher wieder los. Zwar werden die Gigs der Rodgau Monotones (bei denen Dörsam das Saxofon spielt) aktuell noch reihenweise verlegt. „Eine so große Band können sich viele Veranstalter bei begrenzter Zuschauerzahl nicht leisten“, erklärt er. Aber beispielsweise mit dem Trio 3D – das Mattl mit seinen Brüdern Adax und Franz-Josef bildet – steht am 25. Juni ein Auftritt im Weinheimer Schlosspark an.

Finanziell ist Matthias Dörsam relativ gut durch die erzwungene „Kunstpause“ gekommen. Das liegt unter anderem daran, dass sein Laukas-Studio in Fürth gut gebucht ist. „Etliche Bands haben die Zeit für Aufnahmen genutzt.“ Auch ein Auftrag für die Musik einer TV-Produktion ist bei ihm eingegangen. „Aber natürlich sind die Einnahmen insgesamt massiv zurückgegangen“, stellt er klar. Geholfen hat die Unterstützung aus staatlichen Programmen. „Ich finde es gut, dass ein Land so etwas hinbekommt“, sagt er.

„Geduldig sein“

Überhaupt will sich der Fürther Musiker nicht in den Kreis der Kritiker staatlicher Coronamaßnahmen einreihen. Als Beispiel nennt er die Impfkampagne: „Deutschland hat sich, anders als beispielsweise die USA oder Großbritannien, solidarisch verhalten – und das ist gut so.“ Nun habe das Impfen auch hier Fahrt aufgenommen – und damit erhöht sich unter anderem die Hoffnung auf Konzerterlebnisse in absehbarer Zeit. „Die Pandemie hat aufgezeigt, was viele Leute verlernt haben: einfach mal anhalten und geduldig sein“, sagt Dörsam.

Den Film „Zwischenzeiten – Between Times“ gibt es auf speziell gestalteten USB-Sticks. Bestellungen sind über den folgenden Link möglich

Jazzmusiker Matthias Dörsam aus Fürth im Odenwald stellt sein neues Multimedia-Projekt
„Zwischenzeiten – Between Times“
fertig
Eine klangliche Reise in die Mitte der Zeit
Mannheimer Morgen - Kultur - 27.04.2021

 

Von Martin Vögele

Fast ist es, als gäbe es in der Mitte dieses Films ein dunkles Gravitationszentrum, das die Zeit, das Licht und den Klang jenseits seiner Ränder einfängt. Der Zuschauer, der zugleich ein Zuhörer und Reisender ist, wird in Dunkelheit und Stille hineingezogen, bis sich tiefe Basstöne erheben, Hörnerklang durch die Unergründlichkeit streift, flatternde Luftverwirbelungen hörbar werden und sich schließlich – langsam und erhaben – Kopf und Arme von Tänzerin Saori Ando aus der völligen Finsternis schälen, deren kraftvoll aufgeladene Bewegungen schließlich in eine rotglühende Naturimpression überblendet werden: ein grandios in Bild und Ton gefasster Schlüsselmoment von Matthias Dörsams Filmprojekt „Zwischenzeiten – Between Times“. Der Jazzmusiker und Komponist aus Fürth im Odenwald setzt sich in seinem neuen, knapp zweistündigen Werk mit der Zeit und dem Zeitempfinden ins visuell-musikalische Benehmen – und hat dafür allerhand hochkarätige Mitstreiter um sich versammelt: Erwin Ditzner und Tommy Baldu am Schlagwerk, Maurice Kühn am Kontrabass, Stephan Kirsch (Posaune und Basstrompete), Tom Schüler (Trompete, Flügelhorn) und Rainer Michel am sogenannten Waterphone. Außer der Nationaltheater-Tänzerin Saori Ando wirkt auch Tanz-Betriebsdirektor Johannes Grube als künstlerischer Unterstützer an der Produktion mit, die Dörsam gleichsam als filmmusikalischer Auteur verwirklicht hat: Für Kamera und Komposition zeichnet der Klarinettist und Saxofonist verantwortlich, der darin viele weitere Instrumente spielt und die im eigenen Laukas Tonstudio aufgenommenen Stücke ebenso wie das synchron erstellte Filmmaterial selbst geschnitten und gemischt hat. Wir können hier die Zeit als Veränderung von Zuständen und Tempi, als fließende Bewegungen im Raum wahrnehmen. Den Eingang in die wortlose Filmwelt bilden die Darstellung eines Zifferblatts und das Ticken einer Uhr. Bald folgt man einem unsichtbaren Protagonisten („Der Läufer“) durch urbanes Terrain und sich wandelnde Landschaften. Die Tiefe der Natur trifft gleichsam auf den Jazz der Großstadt, experimentelle Klangstruktur und feinsinnig Auskomponiertes auf digitale Verfremdung.

Suggestive Bildsprache

Die Bildsprache ist assoziativ und suggestiv – Dörsam arbeitet mit Filtern, langen Einstellungen und Überblendungen. Wobei visuelles und musikalisches Vokabular teils dezidiert aufeinander bezogen sind, teils kontrastreiche Spannungen zueinander aufbauen. Wer kommerzielle Großkinoproduktionen und zugängliche Alltagsmusik bevorzugt, mag sich hiervon befremdet fühlen. Wer aber gern ins Unbekannte reist und erweiterte Sinneseindrücke schätzt, kann hier ein veritables, freischwingend jazzendes Abenteuer erleben. Das von der Hessischen Kulturstiftung geförderte Projekt ist eine Weiterführung von Dörsams letztjährigem Film „covid 19 follows amber 575“. „Zwischenzeiten“ soll im Laufe der kommenden zwei Wochen auf USB-Stick direkt auf der Homepage (www.matthiasdoersam.de) zu erwerben sein.
„Ich probiere, Optimist zu bleiben“
Starkenburger Echo 02.01.2021
Der Fürther Musiker und Betreiber der „Studiobühne“ Matthias Dörsam will sich von Corona nicht unterkriegen lassen
Von Meike Paul

FÜRTH. Als Künstler hat der Fürther Matthias Dörsam viele Gesichter: Er ist Musiker, Komponist, Jazzer, Studioproduzent und Unterhalter der Kleinkunst-„Studiobühne“. Und wie viele seiner Kollegen ist auch Dörsam im Corona-Jahr chronisch unterfordert gewesen.

„Normalerweise habe ich über 140 Auftritte im Jahr. Sie sind nahezu alle ausgefallen“, erklärt der 60-Jährige, der an der Musikhochschule Mannheim und der Swiss Jazz School Bern studiert und zeitlebens sein Geld mit Musik verdient hat. Doch der Künstler lässt sich von der Corona-Pandemie nicht unterkriegen. Er will mit gutem Beispiel vorangehen und Branchen-Kollegen Mut machen. „Ich sehe das als Entschleunigung und ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ungestört Weihnachten mit meiner Familie verbringen konnte. Das ist auch mal schön. Das ist ein Geschenk.“ Normalerweise jage ein Festtagskonzert das nächste. Das mache auch Spaß, und das fehle aktuell ganz stark. „Aber ich versuche, mich neu zu fokussieren. Ich suche mir Ablenkung und Beschäftigungen“, so der Virtuose an Saxofon, Klarinette und Flöte. Keine leichte Aufgabe, denn „für mich war und ist es immer schwer, die sonst so herrlich belebten und bespielten Veranstaltungsräume nackt und verlassen zu sehen“. Jedes einzelne der abgesagten Konzerte stimmt Dörsam traurig. „Auch, weil es natürlich auch an die Existenzgrundlage für viele von uns Musikern und Kulturschaffenden geht.“

Aktuell probiert sich der 60-Jährige an neuen Musikinstrumenten. Außerdem streamt er Konzerte im Internet. „Mein Schaffenswille ist ungebrochen, ich komponiere viel. Produziere und übe.“ Das sei eine Bewegung, der sich auch andere Kollegen angeschlossen hätten. „Es gibt jede Menge neu geschaffener Musik, sozusagen Corona-Werke.“ Außerdem hat Dörsam einen Film mit Lufthansa-Pilot Paul Depprich produziert. Er zeige die Route von Peking nach Frankfurt – „also genau den Weg des Coronavirus.“ Musikalisch untermalt wurde der Film von über 40 Musikern, er trägt den Titel „Covid-16 follows amber 575“. Aktuell kann er auf der Internet-Plattform „Vimeo“ heruntergeladen werden. „Der Erlös kommt den beteiligten Musikern zugute“, so Dörsam.

Gedanken, die ebenfalls seinen Tag bestimmen, sind: Wie kann Künstlern mit kreativen Ideen durch diese Zeit geholfen werden? Wie können sie Unterstützung erfahren, wie kann ein kulturelles Ersatzprogramm geschaffen werden? „Ohne Almosen. Sondern im Tausch-Geschäft. Darbietung gegen Geld“, erklärt Dörsam. Für die Studiobühne konnten Online-Konzerte organisiert werden. „Das ist zwar nicht dasselbe, wie mit einem Live-Publikum, aber es sahen rund 350 User zu und die Spendebereitschaft war großartig.“ Da der kleine Konzertraum in Fürth sonst nur 60 Plätze bietet, konnten Dörsam und Kollegen ihre Reichweite sogar erweitern. Der Allrounder selbst habe darüber hinaus mehrere Live-Radioshows und Streamingshows für den WDR und NDR gemacht, die aus den großen Sendesälen in Hamburg, Hannover und Köln übertragen wurden. „Auch da unter dem Eindruck gähnende Leere in den schier endlosen leeren Sitzreihen und großen menschenleeren Hallen. Das ist schon ungewohnt“, gesteht er. Dass er im World-Wide-Web zu hören ist und damit Menschen eine Freude bereitet, macht Dörsam stolz. Natürlich hofft auch er auf eine Rückkehr zur Normalität. Aber der Musiker bleibt Realist: „Ich rechne nicht vor Herbst ’21 mit Livekonzerten, also mit Live-Publikum.“

Zu Fans und Kollegen hält er daher digital und vor allem über seine Homepage Kontakt. Dort werden auch die Streaming-Konzerte angekündigt. In einem Corona-Tagebuch teilt Dörsam außerdem Pläne und Gedanken. Sich trotz Abstand und Isolation nicht aus den Augen verlieren, das sei in der Kultur-Branche wichtig. „Und den Kopf nicht in den Sand stecken, auch wenn alles ausweglos erscheint“, so Dörsam. Er hat noch zwei weitere Musikvideos produziert: „Der eine Film thematisiert den Shutdown. Der andere meine Schulter-Verletzung und die daraus resultierende Einarmigkeit.“

Das Leben halte nämlich ganz generell – fernab des Virus – immer Höhen und Tiefen bereit. „Es kommt immer ganz darauf an, wie man mit allem umgeht. Ich probiere, Optimist zu bleiben, mich nicht runterziehen zu lassen.“ Die Musik sei dabei neben der Familie und den Freunden – auch im Ausland – eine große Stütze. „Solange ich musizieren kann, geht es mir doch gut.“ Deshalb rät Dörsam, sich selbst immer wieder an die schönen Dinge im Leben zu erinnern. „Sie sollten schwerer wiegen als Trauer, Verzweiflung und Einsamkeit.“

 
Bild: Tom Rittler

Studiobühne 

- Raum für Kultur -

Fahrenbacherstr. 22       64658 Fürth/Odw.

Musik verschiedenster Art

Lesungen, Vorträge,

Vernissagen, 

Grenzüberschreitende Projekte

Alles was die Sinne schärft !

 

HINGEHEN !!!!

Das Jazzportal 

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seit 1997

Kleiner Konzert - Tipp

für Januar

 

09.01.2023, 

Mannheim, Ella & Louis

Die Django Reinhard Story

Katrin Armani, Voc., Piano

Stefan Krznaric, Violine

Matthias Dörsam, Klarinette

Marcus Armani, Gitarre, Mod.

Michel Herzer, Kontrabass

 

Hot Jazz, so nennt man in den 1930er Jahren die Musik des Hot Club De France, dem virtuosen Ensemble um Gitarrenlegende Django Reinhard und Stargeiger Stefan Grapelli.

In den bewegtesten Zeiten des jungen 20. Jahrhunderts prägt der Roma-Gitarrist den europäischen Jazz wie kein anderer, steigt zum französischen Nationalhelden auf, entgeht nur knapp der Gefangennahme durch die Nationalsozialisten und fährt in seiner Freizeit leidenschaftlich teure Cabriolets ohne jemals einen Führerschein besessen zu haben.

Nach dem Krieg folgt der Zenit seiner Kariere: Duke Ellington lädt ihn 1946 als Stargast seiner legendären Bigband nach New York ein – mit unerwarteten Folgen und einem Ausgang der Django und seine Musik fast für immer in Vergessenheit geraten lässt.

Freuen Sie sich auf außergewöhnlich virtuose Musik und eine ergreifende Lebensgeschichte die ihresgleichen sucht.

Meine aktuellen Musik-

empfehlungen:

Adax Dörsam - Luna lacht

Gäste:

Wolfy Ziegler - fretless Bass

“Luna lacht”

Matthias Dörsam - Klar. ,Bassklar. „Easy Joyride“  „Charango Peanuts

Klaus Berger - Schlagwerk „Groenland Melody“ & „Earth From The Universe“.

Musicians/Singers:
Monia Krüchten : Vocals, Frame Drum
Adax Dörsam : Gitarren, Theorbe, Ukulele, Dobro, Choral Sitar, Altfidel, Mandoline, E-Bass
@grabingerpeter : Keyboards
Carl-Michael Grabinger: Drums & Perc.
Matthias Dörsam : Tenor Sax, Soprano Sax, Baritone Sax, Alto Flute, Bass Clarinet, Clarinet
Label: Timezone Records
Photos: Iman Mohammadi
Coverdesign: jahnkedesign.com

Ali Neander, Guitar

Tom Schüler, Trumpet

Matthias Dörsam,

Bassclarinet, Tenorsax

Jens Joneleit,

Bass, Drums, Piano Keyboards

The Art of Two

Matthias Dörsam - Klarinette

David Heintz - Gitarre

Trio 3D

"Danke"

Musik für festliche Anlässe.

Eine Homage an unsere Mutter. 

Matthias Dörsam

Klar, Fl, Sax.

 Adax Dörsam

Gitarre uvm. 

Franz Jürgen Dörsam

Fagott 

 

Erschienen bei Timezone 

Musiklabel | Musikverlag | Musikvertrieb
www.timezone-records.com

Rec.: Laukas Tonstudio 

und A.D.AX Studio

Master: Lopazz

 lopazz@mixmastering.de 

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Zum direkten

Kauf oder Downloadd

Trio 3D  "Threesome"

Matthias Dörsam

Klar, Fl, Sax.

 Adax Dörsam

Gitarre uvm. 

Franz Jürgen Dörsam

Fagott

Erschienen bei Ring Musik

Rec.: Laukas Tonstudio und A.D.AX Studio

mit spannenden Gästen und meisterlich gemastert von

Lopazz lopazz@mixmastering.de 

und die genialen Fotos von

http://b7ue.com

Die neue CD von 

Martin Meinschäfer "

"Wer hat, der hat !"

Die aktuelle Doppel CD

von

Les Primitifs

Die neue CD des genialen Produzenten Keyboarder und Pianisten

Markus Wagner

"makoulé – cycle one"

Vocals:

Annette Kienzle-Ehrlich 

Marion La Marché

Birk Bonsen

John Keenan

Guitar

Ralf Blaschke

Saxophon

Matthias Dörsam.

Drums:

Matthias Wagner

Keyboards, Bass, Electronic Drums, Loops, Effekte, Composer, Arranger, Pruduction: 

Markus Wagner  

Recorded @

„tukan tonstudio“

www.makoule.com

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